Einbau eines Decoders bei einer Roco BR 111 (Art.-Nr. 63717)

Im Innenraum der Roco BR 111 (Art.-Nr. 63717) befindet sich ausgesprochen wenig Platz, um einen Decoder unterzubringen. Versuche, einen Lenz Standard+-Decoder im Aufbau zu verstecken, scheiterten aufgrund weniger Millimeter zu wenig Luft zum Dach der Lok. Das Gehäuse ließ sich nicht schließen.

Laut Betriebsanleitung soll der Decoder im Batterieboden Platz finden. Das Problem: Der angegebene Weg dorthin ist mit rund rund zwölf Zentimern recht lang. Reguläre Decoder verfügen über eine Kabellänge von neun bis zehn Zentimetern. Das reicht nicht.

Versuche, das Kabel durch Einsetzen eines Zwischenstückes zu verlängern, scheiterten, weil die Kabel durch die notwendigen Schrumpfschläuche zu dick wurden und sich das Gehäuse nicht mehr schließen ließ.

Meine Lösung: Ich habe die Kabel rund zwei Zentimeter vor dem Decoder gekappt und einen NEM-652-Stecker von TAMS (Art.-Nr. 70-01001-01) angelötet, der mit elf Zentimetern Länge perfekt passte. Aber Achtung: TAMS selbst gibt die offizielle Länge der Kabel nur mit 9 Zentimetern an. Das würde nicht reichen. Inoffiziell waren sie aber zumindest in meinem Fall länger. 😉

Neuer Zugzielanzeiger für die NordWestBahn

Ich weiß ja nicht so genau, was sich BRAWA dabei gedacht hat. Den Talent von Bombardier an sich finde ich ja durchaus gelungen. Aber nach Leipzig, wie der schwarz-gelbe Zugzielanzeiger das behauptet, verirrt sich der VZ 716 der NordWestBahn eher selten.

Ich habe mir deshalb mit OpenOffice einen neuen Zugzielanzeiger gebastelt. Da ich nur einen Schwarz-Weiß-Laserdrucker und keinen Farbdrucker besitze, habe ich die Datei einfach auf gelben Klebeetiketten ausgedruckt. Jetzt fährt die NordWestBahn, wie es sich gehört, wieder in meine Heimatstadt Warendorf. 🙂

Nachbau des alten Expressgutlagers in Münster (I): Vom Original zum maßstabsgerechten Plan

Das alte Expressgutlager an Münsters Hauptbahnhof hat es mir angetan. Seine besten Zeiten hat es definitiv hinter sich; es gibt sogar Überlegungen, es im Zuge eines (dringend notwendigen) Neubaus des Bahnhofs gleich mit abzureißen.

Aber dieser morbide Charme erinnert doch zugleich an Zeiten, an denen die Bahn noch Dreh- und Angelpunkt des Personen- und des Güterverkehrs war. Diese Zeiten möchte ich auf meiner H0-Anlage unbedingt konservieren. Ich werde das Gebäude deshalb als Modell im Maßstab 1:87 nachbauen, solange es noch steht — und hier über den Baufortschritt berichten.

Zunächst einmal benötigen wir dringend maßstabgerechte Pläne des Gebäudes. Zu deren Herstellung benötigt man:

  • eine Digitalkamera,
  • einen Internetanschluss,
  • ein Zeichenprogramm (OpenOffice.org),
  • ein Grafikprogramm (GIMP),
  • einen Drucker und
  • ein wenig Papier.

Die hier vorgestellte Software lässt sich kostenlos aus dem Internet herunterladen (s. Link). Sie ist für alle Betriebssyteme frei verfügbar.

Um das Gebäude maßstabgerecht im Plan festzuhalten, bin ich wie folgt vorgegangen:

  • Der Grundriss des Gebäudes lässt sich prima per Google Maps ermitteln. Dazu zoome ich so nah an das Gebäude heran, dass ich die Maßstabsangaben von Google unten links in der Abbildung möglichst optimal mit den Zentimeterangaben eines Lineals in Einklang bringen kann (bspw., dass 1cm auf dem Lineal exakt 1 Meter in Wirklichkeit entspricht). Dann kann man den exakten Grundriss bequem und ohne große Rechnerei mit dem Lineal abmessen.
  • Mit den ermittelten Werten habe ich zunächst den Grundriss des Gebäudes im Maßstab 1:87 gezeichnet. Dazu eignet sich das Zeichenprogramm von OpenOffice.org hervorragend. Durch einen Doppelklick auf eine Linie lässt sich die Länge millimetergenau angeben. Durch einen Klick auf die STRG-Taste lassen sich die Linien exakt im 90-Grad-Winkel zusammenfügen. Auf diese Weise zeichne ich exakter, als ich das per Papier und Bleistift könnte. Die entsprechenden Zentimeterwerte schreibe ich jeweils neben den Grundriss.
  • Nun kommt der „gefährliche“ Teil: Ich musste das Gebäude von allen Seiten fotografieren. Wichtig sind dabei vor allem zwei Dinge: (1) Möglichst frontal und mit einem gewissen Abstand zu dem Objekt zu fotografieren, damit sich die Verzerrungen durch die Perspektive in Grenzen halten. (2) Der Bahnpolizei, die sich durch diese „Fotosession“ alarmiert fühlt, möglichst glaubhaft zu versichern, dass man nur ein harmloser Spinner und kein international gesuchter Terrorist ist. Mir haben sie den Spinner schon nach etwa zwei Minuten „Vernehmung“ abgekauft. 😉
  • Sicher der Staatsgewalt entkommen, habe ich die Fotos anschließend in den Rechner eingelesen. Ziel war es nun, maßstabsgerechte Abbildungen der einzelnen Mauern zu erhalten. Dazu habe ich die Einzelbilder zunächst mit einem Bildbearbeitungsprogramm (GIMP) zu einzelnen Mauern zusammengesetzt. Das Ergebnis sieht ein wenig komisch aus, weil die Fotos teilweise verschiedene Fluchtpunkte haben und es so zu einigen horizontalen wie vertikalen Verzerrungen kommt. Das ist aber nicht weiter dramatisch: Ich benötige die so aus vielen Einzelt entstehende Maueransicht nur, um einen ersten Eindruck vom Gebäude zu erhalten und einzelne Abstände sowie die Höhe der Gebäudes abschätzen zu können. Anschließend speichere ich die aus Einzelfotos zusammengesetzte Mauern als neue Grafiken ab.
  • Die einzelnen Mauern des Expressgutlagers rekonstruiere ich wie folgt: Ich zoome die aus Einzelfotos zusammengesetzten Mauergrafiken exakt auf die Größe des Modells. Dazu orientiere ich mich an der Grundlinie, die ich dem zuvor angefertigten Grundrissplan entnehme. Soll die Mauer 15 cm lang werden, vergrößere oder verkleinere ich die Grafik so, dass die Grundlinie der rekonstruierten Mauer ebenfalls 15 cm lang ist.
  • Die entsprechenden Maße von Mauer sowie von Türen, Fenstern etc. nehme ich anschließend mit einem langen Lineal ab und übertrage sie in den Plan. Umrechnungen in den Modellmaßstab sind an dieser Stelle schon nicht mehr notwendig, da wir die Grundlinie ja bereits maßstabsgerecht ermittelt haben; hieraus ergibt sich alles andere. Die Verzerrungen sind recht leicht auszugleichen. Ein wenig aufpassen muss man bei den Geschosshöhen, da diese besonders starken Verzerrungen unterworfen sind (vor allem, wenn man stark „von unten nach oben“ fotografiert hat). Im Zweifelsfall orientiere ich mich am untersten Geschoss oder dem 1. Stock und setze eine ähnliche Geschosshöhe auch bei den weiteren Geschossen voraus.
  • Auf diese Weise verfahre ich mit allen anderen Mauern, bis das komplette Gebäude erfasst ist, also ein maßstabsgerechter Plan vorliegt.
  • Anschließend drucke ich die einzelnen Mauern mit dem Drucker aus und setzte sie testweise zusammen. Auf diese Weise habe ich bereits einen 1:1-Entwurf meines Modells, das ich so ganz einfach auf Fehler und Umstimmigkeiten überprüfen kann. Bei Bedarf lassen sich Änderungen im Zeichenprogramm ganz leicht vornehmen.

Farbe statt tristem Grau

Die Inneneinrichtung wird sorgfältig ausgebaut und die Sitze Reihe um Reihe neu gepolstert.

Der Steuerwagen mit neuem Zielrichtungsanzeiger.

Normalerweise steht die Dickesche Bahngesellschaft (DB) gut mit dem Fahrgastverband „Pro-Bahn“. An diesem Wochenende sorgten jedoch kurzfristig anberaumte Protestaktionen der ansonsten durchaus zufrieden reisenden Preiserleins für umfangreichere Maler- und Lackierarbeiten. Grund war das triste Grau der Inneneinrichtung der erst vor wenigen Wochen in Dienst gestellten Doppelstockwagen. Diese schlage derart aufs Gemüt, dass darüber auch der vorbildlich pünktliche Verkehr auf den Strecken der DB nicht hingwegtrösten könne, so ein Sprecher von „Pro-Bahn“.

So entschlos sich die DB kurzerhand, den gesamten Fuhrpark in das Ausbesserungswerk zu rufen und von innen vollkommen neu zu gestalten. Dazu ging sie wie folgt vor:

Wagen öffnen

Die Doppeltstockwagen von Fleischmann sowie der Steuerwagen lassen sich recht leicht öffnen, indem man den Wagenaufbau in Höhe der Türeinstiege vom Wagenunterbau löst. Am einfachsten geht das folgendermaßen: Den zu öffnenden Wagen ein paar Zentimeter über einer Tischplatte in beide Hände nehmen. Die Daumen halten das Dach, während die mittleren Finger die Außenwände des Wagens leicht nach außen spreizen. Mit den Zeigefingern kann man nun leicht auf die Kupplungsköpfe drücken, so dass der Wagenunterbau langsam nach unten herausrutscht.

Graue Inneneinrichtung ausbauen

Die Inneneinrichtung lässt sich leicht lösen, indem man die umfassende Außenwand an den Einrastnasen leicht nach außen biegt. Zunächst das obere Geschoss entfernen, danach auch das untere.

Die DB hat die Gelegenheit genutzt, auch den Zielrichtungsanzeiger des Steuerwagens zu tauschen. Dieser zeigte „Kassel Hbf“, obwohl der RE2 doch zwischen Mönchengladbach und Münster verkehrt. Es ist bis heute ungeklärt, was sich der Auslieferer dabei gedacht hat.

Inneneinrichtung lackieren

Nun kann man die Inneneinrichtung mit Emaillefarben neu gestalten (Pinselgröße 00). Farbe gut trocknen lassen; Anstrich ggf. wiederholen.

Die Doppelstockwagen mit neuer Einrichtung.

Wagen wieder zusammenbauen

Nachdem die Farbe gut durchgetrocknet ist, lassen sich die Wagen ohne Probleme wieder zusammenbauen.

Inzwischen verkehren die Wagen wieder planmäßig.